Tanz Kultur
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Aische philosophiert

Auf einem See stand ich, meiner Kleidung entledigt, vor verhüllten Frauen mit langen Gewändern. Eine bot mir ein Stück Brot, doch ich lehnte es ab. Lieber verhungern, als so zu leben, wie sie es tun. Mit dem Gefühl von grenzenloser Erleichterung sank ich langsam hinab, das Wasser perlte an mir ab und in der unendlichen Tiefe war ich nun endlich ganz frei.

Könnte es nicht sein, dass einzig und allein ich die „Auserwählte“ bin und die anderen von der Unbedeutsamkeit der moralischen Werte in ihrer Glaubensgemeinde überzeugen muss? Was hilft es, seine eigenen Wünsche und Träume zurück zu stellen für die Werte eines Anderen. Hier geht es nicht um Glauben, hier geht es um das Ich, um den Eigenanteil eines jeden Selbst! Was sind das für Einschränkungen, wenn mir jemand dirigiert, wie ich mich wo zu verhalten habe und warum? Habe ich nicht das Recht, mir von so vielen Möglichkeiten, die für mich Stimmigste zu suchen und diese zu leben?

Zurück in die Realität, das ist doch alles nicht zu vereinbaren mit der bestehenden Wirklichkeit! Ich bin in eine Gesellschaft hinein geraten, auf welche Weise auch immer, die keine Außenseiter zulässt. Werde ich zu auffällig zu einem solchen und pflege keine Gleichgesinnten um mich herum, dann bin ich zu elementaren Einschränkungen verpflichtet und selbst meine Gedankenwelt wird bedürfnislos.

Ganz oder gar nicht! Entweder ich füge mich meinem Schicksal und begebe mich auf eine eingeschränkte Reise, oder ich ende als Eremit auf einer einsamen Insel mitten im Ozean. Quatsch, warum muss es denn immer nur eine Lösung geben, Mann, Frau kann doch mit anderen Menschen leben, ohne Selbstaufgabe. Ja klar, doch wie funktioniert das in einer Gesellschaft, in der die moralischen Geltungen immer aus dem Hinterhalt lauern?

Leben in der Realität

Nehmen wir einmal an, ich wäre verheiratet und meine Verwandtschaft erwartet von mir, dass ich eine gute Köchin, liebevolle, treu, ergebene Ehefrau und fürsorgliche Mutter bin. Gegenüber meiner Selbstaufgabe, die ja solche Lebensinhalte vorschreibt, steht nun der Wunsch nach Kreativität und der „Findung“ meiner innersten Bedürfnisse.

Wo bleibt die Zeit dafür, solche Bedürfnisse kennen zu lernen und sie sich entwickeln zu lassen? Nicht nur in meiner Gesellschaft wird der unbewusste Drang forciert, andere Bedürfnisse vor die Eigenen zu stellen. Es ist ein schleichender Prozess und Du merkst nicht, wie die alltäglichen Aufgaben Dein Leben zu schütten und Dir die Luft zum atmen verwehren. Doch bist Du ein „Auserwählter“, kommt der kurze Augenblick, wo Du frische Luft einsaugst und für den Moment Klarheit erlangst, Klarheit über Deine Situation, Klarheit über Deine Bedürfnisse und Klarheit über den Wünsch, entbunden jeglicher Pflichten, frei und unabhängig zu sein.

Mit dieser Erkenntnis tauchte ich wieder aus der unendlichen Tiefe auf, diesmal war ich bedeckt mit einem langen, roten Tuch, in der Hand eine grüne Feder tragend. Jetzt waren die Frauen um mich herum nackt und langsam lösten sie sich auf, sie wurden unsichtbar und nach einer Weile war ich wieder ganz allein und so frei, dem Leben auf eine neue Art zu begegnen, mit der Energie meines unumstößlichen Willens und der Hoffnung, dies mit der Wirklichkeit dauerhaft zu verbinden.

Autor: Aischegül
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